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Unser Spielezimmer - inspiriert von der Montessoripädagogik

Ehrlich gesagt habe ich bis vor einem Jahr fast nichts über Maria Montessori und ihren pädagogischen Ansatz gewusst.
Bis wir den Großen (unter anderem) auf die Warteliste einer Grundschule mit Montessori-Ansatz haben setzen lassen. Bevor ich das pädagogische Konzept erfuhr, gefiel mir die Schule einfach. Sie ist recht klein und überschaubar, sowohl im Außen- als auch Innenbereich sehr kindgerecht eingerichtet und der Fußweg von uns dorthin beträgt keine 100m. 

Bisher haben wir noch keine Zusage für einen Schulplatz dort, aber spätestens seit dem Tag der offenen Tür sind insbesondere mein Sohn und ich Feuer & Flamme für die Schule. Meinem Mann gefällt sehr gut was er bisher gesehen und von uns gehört hat, aber er war beim Tag der offenen Tür leider nicht mit dabei und möchte sich bei Gelegenheit auch nochmal einen umfassenderen Eindruck verschaffen. 

Ich las mir einiges an zum Montessori-Konzept und bin schwer angetan. Nicht alles entspricht unserer Herangehensweise, aber ganz vorneweg der Leitsatz 
„Hilf mir, es selbst zu tun“ und auch die „vorbereitete Umgebung“, sind ganz nach meinem Geschmack.

Zeige mir, wie es geht.
Tu es nicht für mich.
Ich kann und will es allein tun.
Habe Geduld, meine Wege zu begreifen.
Maria Montessori 

Natürlich gehört zum Verständnis dieses pädagogischen Ansatzes noch viel viel mehr. 
Ich bin jedoch keine Pädagogin, sondern Mama. Aber eben offen für Neues. Versuche zu lernen und mein Handeln und auch Behandeln (insbesondere hinsichtlich der Kinder) immer mal wieder zu hinterfragen und reflektieren. Da ist noch so vieles, das ich besser/anders machen möchte. Manchmal gelingt es mir die Mutter zu sein, die ich mir für meine Kinder wünsche und manchmal bin ich meilenweit davon entfernt. Es ist ein Lernprozess und ich bin bereit daran und an mir zu arbeiten. Hier helfen mir Bücher (siehe meine aktuelle Leseliste in der Blogkategorie: Bücherkiste), Instagramprofile, der Austausch mit anderen Eltern und natürlich mit meinen Kindern und auch Blogs.

Besonders empfehlenswerte Blogs: 

Luka’s gepflückte Blumen im Glas, eine von ihm  selbst-aquarellierte Karte und ein Blumentopf zur Pflege
Luka’s gepflückte Blumen im Glas, eine von ihm selbst-aquarellierte Karte und ein Blumentopf zur Pflege
Nun aber zum Spielezimmer!
Kennt ihr das, wenn das Kind trotz diverser Spielsachen und Bücher jammert ihm wäre langweilig?! 
Und ich dachte immer nur „Schau doch bitte in Dein großes Regal mit all Deinen Spielsachen“ und verstand das Problem nicht. Aber irgendwann machte ich mir selbst die Mühe mal so richtig in das Regal zu schauen. 

Die Auswahl an Spielsachen war überwältigend und überforderte selbst mich. 

Wir mussten ausmisten. Ein besseres System reinbringen. Babyspielzeug für den Mini gehörte ganz nach unten oder auf den Boden. In die Regale darüber Spielsachen für beide und weiter oben die Spielsachen vom Großen. Außer Reichweite gehören Gemeinschaftsspiele, denn diese kann das Kind eh nicht allein bespielen sondern nur gemeinsam mit uns und anderen Kindern. Bastel- & Malsachen mussten frei zugänglich sein für den Großen und nur Dinge wie die Heißklebepistole, das Laminiergerät und recht teures Mal- & Bastelzubehör gehörte auf eine Ebene, die unzugänglich für beide Kinder war. Bücher mussten auf Augenhöhe des Großen und nicht auf unsere Augenhöhe, damit er sich die Bücher selbst vornehmen kann und uns nicht immer fragen muss. Weniger Plastikzeug das grausame Geräusche macht und nach kurzer Zeit eh uninteressant ist, mehr Holz und andere Naturmaterialien, die in ihrer Bespielung nicht allzu festgelegt sind und die Kreativität herausfordern. Einiges an Spielzeug in Kisten verpacken und immer mal wieder austauschen. Diese Liste lässt sich ewig so weiterspinnen...

Ziel

Überschaubarkeit des Spielangebots bei gleichzeitig erhöhten Spielmöglichkeiten der einzelnen Gegenstände, was wiederum die Selbständigkeit und Kreativität fördern und fordern soll. 

Gesagt getan.

Hier kommt das Ergebnis...

So sieht die Regalwand im Spielzimmer der Kids aus. 

Und im folgenden einige Bilder einzelner Regalinhalte:
Das Hammer-Set ist noch vom Großen und mittlerweile um die 4 Jahre alt und der Regenbogen von Grimm‘s ist neu gekauft bei Hug&Grow in Berlin-Moabit.
Beides steht ganz unten im Regal und ist somit gut erreichbar für den Mini. Der lässt die einzelnen Bögen mit Vorliebe wippen und vom Hammer-Set wird ausschließlich der Hammer ordentlich angeknabbert und auch „Hau den Lukas“ mit unserem Fußboden gespielt.
Sogar der Große liebt den Regenbogen. Er baut damit Garagen für seine Matchboxautos, legt kleine Mandalas und baut andere Figuren wie zum Beispiel Blumen mit ihm. Beim Kauf hätte ich nie gedacht, was mit einem solch simplen Spielgegenstand alles machbar ist und bin, trotz des recht hohen Preises, sehr angetan.



Dieser vom Mini heißgeliebte Eimer von Ernstings Family samt Förmchen zum Einsortieren ziert ebenfalls eines der unteren Regalfächer. 
Versteht sich von selbst, dass mein noch keine 10-Monate alter Sohn das Einsortieren noch nicht im geringsten beherrscht, geschweige denn dass ihn der eigentliche Sinn & Zweck überhaupt wichtig wäre. Aber er liebt es alle Förmchen rauszuholen und, sehr zu meinem Leidwesen, diese quer durchs ganze Zimmer zu pfeffern. 
Aber wer bin ich, etwas dass ihm so viel Freude bringt, aus dem Zimmer zu verbannen nur weil ich das Aufräumen hinterher etwas nervig finde...
Und ja, das ist Plastik, aber wenigstens quasi Second-Hand. Denn vor einigen Jahren spielte schon der große Bruder damit.



Eines unser tollen Stoffkörbchen gefüllt mit bunten Magneten von Magformers.

Die Wirkungsweise der Magneten ist dem Mini noch nicht bekannt, wohl aber Form & Geschmack :) und auch die Farben scheinen ihm zu gefallen. 

Eigentlich ist es ein Spielzeug des Großen, der damit alle möglichen geometrischen Figuren baut, aber der Mini spielt auch gern damit und sie sind klein genug für Babyhände, trotzdem aber groß genug nicht verschluckt werden zu können. 

Daher habe ich das Körbchen ganz nach unten gestellt, wodurch beide Kids damit spielen können. 



Kommen wir nun auch zu einigen Fächern des Großen. Hier zu sehen das „Buchstabenfach“ samt Alphabetuntersetzer aus Kork von H&M und diversen dazu passenden Kartensets. Auf dem im Bild sichtbaren Kartenset stehen zum Beispiel Begriffe zu denen es auch ein Bild gibt und mit Hilfe des Alphabetuntersetzers und den Holzbuchstaben vom Fensterbrett (siehe Titelbild) kann Luka die Wörter der Karten nachlegen und so Buchstaben ganz selbständig üben. 



Dazu muss ich wohl nicht viel sagen...

Ein Autospieleteppich. 
Die Dinger verschönern nur äußerst selten ein Kinderzimmer, aber der Große spielt so gern mit seiner Autosammlung darauf, das dieser Teppich nun einen dauerhaften Platz im Spielezimmer gefunden hat.
Große Puzzel-Liebe.
Zwar nicht unbedingt bei mir und meinem Mann, aber bei Luka.

Die durchsichtigen Kisten mit vielen Fächern sind von Ikea und beherbergen jeweils 3-4 Puzzles. Das ist eine tolle platzsparende Alternative zu all den großen und sperrigen Puzzlekartons. Das Puzzlemotiv habe ich vom Originalkarton immer ausgeschnitten und auf die einzelnen Fächer der Kisten zum richtigen Pzzle verteilt.



Die Zahlentafel samt Stoffkörbchen mit bunten Stäbchen zum Abzählen und kleinen Holzplättchen mit Zahlen und Rechenzeichen regen zum selbständigen legen und lösen von Matheaufgaben an. 
Das ist relativ neu in unserem Spielesortiment und entspricht klassischem Montessori-Spielzeug.


Anfang 2017, also mit 3,5 Jahren, wünschte Luka sich ein Schachspiel.

Ich selber kenne zwar die Grundregeln, habe es aber nie wirklich gespielt. Aus diesem Grund und weil ich Luka eigentlich noch zu jung dafür fand, vertröstet ich ihn etwas.

Dann mit 4,5 Jahren überlegte ich mir den Inhalt des von mir für ihn selbstgemachten Adventskalender. Ich bin kein großer Fan von allzu viel Naschkram bei Kindern, wenngleich ich es liebe zu Naschen... Da kann ich dann leider doch nicht immer so konsequent sein.
Dann fiel mir sein Wunsch wieder ein Schach zu lernen.
Ich fand dieses absolut tolle Schachlernbuch. 

Das gab es am 1. Dezember 2017 im Adventskalender und an jedem weiteren Tag folgte eine Figur in schwarz und eine in weiß, passend zu der Reihenfolge im Buch.
Mein Sohn freute sich schon immer auf die nächste Figur im Kalender und die Fortsetzung der Geschichte. 

Im Buch wird eine fortlaufende Geschichte erzählt zu jeder Figur in der man dann auch genau erfährt wie diese auf dem Schachbrett laufen kann, wie diese andere schlägt und geschlagen werden kann und anhand eines kleinen Rätsels, werden diese Infos nach jedem Kapital nochmal abgefragt. 

Absolut empfehlenswert - tolle Geschichte, wunderbare Illustrationen, genialer Aufbau und passend für Kinder und Erwachsene. „Schach - Für junge Einsteiger“ von Stefan Kindermann & Anne Franke.

Nach diesem super Adventskalender vom letzten Jahr, frage ich mich nun was ich dieses Jahr ähnlich Gutes finde und bin leider noch etwas ratlos...


Das ist das wenig montessorimäßige Bücherregal.
Aber wir haben nun mal sehr viele Bücher und Luka liest sie immer wieder sehr gern oder lässt sich diese von uns vorlesen und sortiert hier nur äußerst ungern mal ein Buch aus.

Er hat aber die für ihn nicht mehr altersgemäßen Bücher für seinen kleinen Bruder sortiert. Diese stehen nun ganz unten, so dass der Mini dieses Regal ein- und ausräumen kann und auch schon in Berührung kommt mit einem für mich sehr wichtigen Medium - Das Buch!

Der Große hat allerdings all seine derzeitigen Lieblingsbücher und Büchereibücher immer auch griffbereit in einer Kiste direkt neben seinem Bett. Hier wird regelmäßig umsortiert. Das wiederum entspricht sehr wohl der Montessoridagogik und sagt dem Großen auch sehr zu. 
Zurzeit sind in dieser Kiste ca. 6 Bücher drin. 

Mehr dazu in unsere Oktoberbücherkiste...  (erscheint immer zum Ende des jeweiligen Monats)


Diese Dinge befinden sich derzeit im Spielezimmer auf dem Teppich für den Mini:

- Zahnradspiel von „Goki“:
heißbegehrt & wird vom 9-Monate alten Sohn nicht nur auseinandergebaut sondern auch schon richtig gedreht

- ein Tamburin:
er liebt einfach Musik und Klänge

- eine Quitscheente: 
wurde bereits ausgiebig angeknabbert und umhergetragen

- eine rot und grün leuchtende Polizeikelle vom Großen: 
hier begeistert ihn wohl Größe und Licht

- eine Froschfigur aus Holz mit speichelechter Farbe: 
auch das wurde ausgiebig gekostet und getestet 

- ein Klangholzstab: 
es braucht nicht beide, da er ihn eh nur ansabbert oder auf dem Teppich ausprobiert

- ein Becher mit Sternen:
die anderen Becher aus dem Set habe ich weggepackt und es kommt immer mal wieder ein Neuer dazu oder wird ausgetauscht; diese unterscheiden sich immer in Größe und Farbe

- ein bewegliches Puzzle an einer Schnur:
wird ganz schön ordentlich verbogen vom Mini.


Ich tausche den gesamten Inhalt oder nur Einzelstücke immer mal wieder aus. Ganz nach Interesse und Bespielung durch den Mini.

Abschlusswort

An dieser Stelle möchte ich aber gern nochmal betonen, dass diese Ordnung und Aufteilung, die Anzahl & Auswahl der Spielsachen, Formen und Farben und auch alles andere unserem Geschmack entspricht und keinesfalls als „so und nicht anders hat das bei Jedem auszusehen“ gemeint ist. 
Auch ist es nur inspiriert von der Montessori-Pädagogik, da ich mit unseren Gegebenheiten arbeiten musste. So entspricht eine so große und teilweise mit Türen und Schubladen versehene Regalwand nicht 100%ig dem pädagogischen Ansatz der vorbereiteten Umgebung. Aber sie gefällt uns trotzdem und war nun einmal schon da. Ich werde zukünftig auf jeden Fall darauf achten das Spieleangebot zu beschränken und die Kinder nicht mit zu vielen Dingen zu überfordern. Auch möchte ich mehr wert auch allgemein gehaltene und vielseitig bespielbare Spielsachen legen, vermehrt aus langlebigem und nachhaltigerem Material wie Holz.

Vielleicht ist es hier und da eine kleine Anregung wie man es machen kann oder aber wie man es vielleicht auch gar nicht machen möchte. 
Es ist eben nur ein kleiner Einblick von uns... 
Und natürlich haben wir auch eine ganze Menge Legozeugs, einige leuchtende & krachmachende Spielautos (zum Glück nicht nur!), und Anderes, das wenig pädagogisch wertvoll ist, den Kindern aber dennoch viel Freude bereitet und daher einen Platz im Spielezimmer gefunden hat. 
Na und:) Jeder darf und soll es so machen, wie er mag und wie es auch den Kindern gefällt!

Und sicherlich kann und will auch nicht jeder seinen Kindern ein eigenes Spielezimmer einrichten. Bei uns hat es gepasst, da wir uns gegen einzelne Kinderzimmer für jedes Kind entschieden haben. Wir wollten ein gemeinsames Kinderschlafzimmer und ein gemeinsames Spielezimmer, denn genauso passt es zu unserer Familie momentan am Besten :)

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